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Samstag, 20. Oktober 2018

Lazzaro Felice - Glücklich wie Lazzaro (OmU)

Italienische Originalfassung mit dt. Untertiteln

Foto aus Lazzaro Felice - Glücklich wie Lazzaro (OmU)

Inviolata, ein abgeschiedenes Landgut im italienischen Nirgendwo. Hier herrscht die Marquesa Alfonsina de Luna mit harter Hand über ihre Landarbeiter. Lazzaro ist einer von ihnen, ein junger Mann, so gutmütig, duldsam und unschuldig, dass man ihn für einfältig halten könnte. Eines Tages kommt Tancredi nach Inviolata, Sohn der Marquesa, der an seiner Mutter so sehr leidet wie am Landleben. Mit ihm entwickelt sich eine seltsame, ungleiche Freundschaft, die erste in Lazzaros Leben. Anfangs noch zart und unbeholfen, wird sie die Zeit überdauern, auch die alles auseinander sprengenden Folgen des „Großen Betrugs“, die Lazzaro auf der Suche nach Tancredi in die große Stadt führen werden.

Meisterhaft lässt die preisgekrönte Regisseurin Alice Rohrwacher mit ihrer poetisch-sozialkritischen Fabel das neorealistische italienische Kino auferstehen. Versehen mit magischem Realismus und auf dem Hintergrund christlicher Mythologie führt ihre Hauptfigur, der junge Lazzaro, den Zuschauer voller Urvertrauen durch alte feudale und neue globale Ausbeutung der neoliberal entfesselten Industriegesellschaft samt seinem Casino-Kapitalismus. Gleichnishaft umschifft die 36jährige Italienerin mit ihrer zurückhaltenden Inszenierung, trotz Migration, Landflucht und Verstädterung, die spektakuläre Anklage der Verhältnisse. Der Kern ihrer Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Jahrelang gelang es einer italienischen Adligen aus der Zigarettenindustrie, noch Anfang der 1980er Jahre, ihre Landarbeiter in einer Art Leibeigenschaft zu halten. (programmkino.de)

Was wie eigensinniger, bisweilen nostalgisch anmutender Neorealismus beginnt, schlägt um in eine traumhafte Erzählung mit einem Humor und einer Schärfe, aus denen das Echo von Fellinis ‚La Strada’ oder des frühen Pasolini klingt. Wunderbar gefilmt, mit seiner körnigen, atmenden Textur, kommt einem dieser Film wie ein wundersames Fundstück einer verschwundenen Ära des Kinos vor – und dennoch ist er heutig, in jedem Augenblick. (Screen Daily)

Der Film wurde beim Festival in Cannes 2018 für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Originaltitel:
Lazzaro Felice
 
Italien/BRD 2018, 127 Min., OmU
Regie:
Alice Rohrwacher (Le meraviglie)
Drehbuch:
Alice Rohrwacher
Kamera:
Hélène Louvart (Pina)
Schnitt:
Nelly Quettier (Les amants du Pont Neuf, Beau Travail)
Darsteller:
Adriano Tardiolo, Alba Rohrwacher, Tommaso Ragno, Agnese Graziani u.a.
FSK:
Ab 12 Jahre

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