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Dienstag, 25. Februar 2020

Intrige

Foto aus Intrige

Roman Polanskis aufwändig produzierter Film erzählt von dem wahrscheinlich größten politischen Skandal des späten 19. Jahrhunderts, der die französische Gesellschaft zutiefst erschütterte: ein ungeheuerliches Geflecht aus Antisemitismus, Macht und Vertuschung. Der mit Jean Dujardin hochkarätig besetzte Film gewann bei den Filmfestspielen von Venedig 2019 den Großen Preis der Jury.

Am 5. Januar 1895 wird der junge jüdische Offizier Alfred Dreyfus wegen Hochverrats in einer erniedrigenden Zeremonie degradiert und zu lebenslanger Haft auf die Teufelsinsel im Atlantik verbannt. Zeuge dieser Entehrung ist Marie-Georges Picquart, der kurz darauf zum Geheimdienstchef der Abteilung befördert wird, die Dreyfus der angeblichen Spionage überführte. Anfänglich überzeugt von dessen Schuld kommen Picquart Zweifel, als weiterhin militärische Geheimnisse an die Deutschen verraten werden. Doch seine Vorgesetzten weisen ihn an, die Sache unter den Tisch fallen zu lassen. Entgegen seines Befehls ermittelt er weiter und gerät in ein gefährliches Labyrinth aus Verrat und Korruption, das nicht nur seine Ehre, sondern auch sein Leben in Gefahr bringt.

Polanskis meisterhaft komponierte Bilder, die fast an Gemälde erinnern, und das mit packenden Dialogen gespickte Drehbuch von Bestsellerautor Robert Harris spiegeln eindrücklich die Strukturen und Unbeugsamkeit von Armee und Justiz wider.
Mit „Intrige“ ist Polanski ein gesellschaftlich hochrelevanter Film gelungen, der aufzeigt, wie wichtig es ist, in einem System die Stimme gegen Unrecht zu erheben – auch wenn man selbst Teil des Systems ist. (FBW)

In seinem kraftvollsten und wichtigsten Film seit langem vollzieht Roman Polanski detektivisch genau und mit größter Nüchternheit die Affäre Dreyfus nach und entdeckt im verheerenden Wirken von Antisemitismus und Machtmissbrauch erstaunliche Parallelen zu heute. (epd film)

Man sollte sparsam mit Superlativen hantieren, aber dieser Film ist ein Meisterwerk. (…) Mitunter fängt die Kamera regelrechte Genrebilder ein. Es ist manische Präzision am Werk, wenn es um Interieurs und Gesellschaftsszenen geht. (Die Zeit)

Polanskis Historienthriller wirkt auf unheimliche Weise aktuell.
Polanski inszeniert den Film, seinen besten seit vielen Jahren, wie einen Detektivkrimi, nüchtern und schnörkellos. (…) Dabei vertraut er ganz auf die Kraft seines Stoffes. (Der Spiegel)

Die bewusst unterkühlte, von Emotionen unbelastete Sicht auf die ungeheuerlichen Vorgänge ist jedoch unzweifelhaft die Stärke des Films. (Stuttgarter Zeitung)

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Originaltitel:
J'accuse
 
Frankreich/Italien 2019, 132 Min.
Regie:
Roman Polanski (Der Gott des Gemetzels, The Ghostwriter, Der Pianist, Chinatown, Rosemaries Baby, Tanz der Vampire)
Drehbuch:
Robert Harris, Roman Polanski
Kamera:
Pawel Edelmann
Darsteller:
Louis Garrel, Emmanuelle Seigner, Jean Dujardin, Mathieu Amalric, Grégory Gadebois u.a.
FSK:
Ab 12 Jahre

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OmU = Original mit dt. Untertiteln